Buchbesprechung zu
Rolf Bossi, "Die gemachten Mörder.
Wenn Jugendliche zu Tätern werden - Wege aus der Gewaltspirale",
ISBN 978-3404606146, Lübbe-Verlag 2009, 320 Seiten, 8,95 EUR
Je weiter sich dieses Buch dem Ende nährt, desto besser wird es. Anders als von einem der bekanntesten deutschen Strafverteidiger zu erwarten, handelt es sich bei "Die gemachten Mörder..." jedoch weniger um ein juristisches als um ein soziologisches oder pädagogisches Buch. Insbesondere im Vergleich zu dem vom gleichen Autoren verfassten "Halbgötter in schwarz..." finden sich hier weniger im engeren Sinne juristische Ausführungen.
Anfangs fällt eine Aneinanderreihung einiger dramatischer Fälle von Jugendgewalt etwas negativ auf. Man glaubt zunächst an einen jener Modebestseller, der auf das eben gerade populäre Thema "Jugendgewalt" auf eben solch populäre bis populistische Weise eindrischt. Glücklicherweise erweist sich dieser erste Eindruck schon bald als falsch.
Es folgen einige (juristische!) Ausführungen zum Jugendstrafrecht und anschließend zu Medienwirkung, insbesondere zu Nachteilen von Fernsehen und Computerspielen. Weiter stellt Bossi seiner Meinung nach bestehende Defizite in Erziehung und (besonders ausführlich) Schule dar. Es schließt sich ein Appell gegen Rechtsradialismus an. Am Ende steht eine Aufforderung, Jugendpolitik auch finanziell zu fördern.
Bossis Aussagen sind durchweg pointiert und zum Teil auch humorvoll bis sarkastisch ausgefallen. Die Waffengestzgebung ist inzwischen bereits in die von Bossi verlangte Richtung angepasst worden. Einige weiterführende Literatur hätte dem Buch sicher gutgetan. Auch enthält es nur einige wenige (allerdings sehr gut gewählte) Quellen, etwa ein (offenbar weitgehend vollständiges) psychologisches Gutachten zur Wirkung von Computerspielen.
Insgesamt ist "Die gemachten Mörder" kein juristisches (Fach-)buch. Der Autor selbst will seine Überlegungen als "interessierter Staatsbürger" verbreiten. Entsprechend finden sich auch keine grundlegend neuen Thesen. Allerdings bietet sich dem Leser eine pointierte Zusammenstellung der Ursachen von Jugendgewalt mit konkreten Handlungsvorschlägen. Dass letztere zum Teil bereits politisch umgesetzt wurden, spricht ebenfalls für deren Qualität.